Und dann war da noch - Sizilien!

Teil 2: Auf den Spuren des Paten & der weitläufige Süden

Nach vier eindrucksvollen, aber auch chaotischen Tagen im Westen stand nun der Osten der Insel am Programm, den wir über einige Zwischenstopps im Süden sowie über das Landesinnere ansteuerten.

 

Erste Station auf dem Weg nach Osten war SCIACCA, ein kleines, pulsierendes Hafenstädtchen samt Thermalbad für Arthritiskranke. Das Highlight ist hier allerdings nicht das Arthritis-Bad sondern der Blick vom alten Hafen aus auf die Stadt. Danach kann man auch getrost weiter fahren und beim Hinausquälen aus den engen Gassen noch die wunderschönen Mosaikstufen bewundern.

Scala dei Turchi, Realmonte bei Agrigento
Scala dei Turchi, Realmonte bei Agrigento

 

Die Attraktion in der Gegend um das südlich gelegene AGRIGENTO ist zweifelsohne die "Scala dei Turchi" - spektakuläre und wunderschöne Kreidefelsen, die übersetzt "Türken-Stufen" heißen. Bei wolkenlosem Himmel ist diese Attraktion allerdings nichts für empfindliche Äuglein wie meine - trotz Sonnenbrille sticht das Weiß dermaßen, dass man binnen kürzester Zeit "schneeblind" ist. Ein paar schöne Urlaubsmotive hab ich dann Gott sei Dank aber noch erspäht. 

Scala dei Turchi, Realmonte bei Agrigento
Scala dei Turchi, Realmonte bei Agrigento
Concordia Tempel bei Agrigento.
Concordia Tempel bei Agrigento.

Die Route in den Osten führte uns durch das "VALLE DEI TEMPLI", das Tal der Tempel, wo man die archäologischen Stätten rund um Agrigento (Unesco-Weltkulturerbe seit 1997)  findet. Diese archäologischen Stätten sind die Überreste einer einst sehr bedeutenden griechischen Stadt in Sizilien. Der noch sehr gut erhaltene griechische Concordiatempel wurde ca. 400 Jahre vor Christus erbaut und zählt zu den best-erhaltensten Tempel der griechischen Antike überhaupt. Sehr beeindruckend!

Und dann, nach weiteren unendlichen Stunden in unserem Mietauto, waren wir da. In SYRAKUS, im Südosten Siziliens. Mamma Mia, das war ein Ritt über Stock und Stein. Umso mehr entschädigte uns dieses süße Städtchen in der Abendsonne mit ihrer Bellezza am Lungomare. In der Antike größte & mächtigste Stadt Siziliens, ist der Altstadt-Teil und somit das Zentrum auf einer vorgelagerten Insel namens Ortygia zu finden. Die Hauptattraktionen dieses Juwels sind:

Die Kathedrale von Noto
Die Kathedrale von Noto

Syrakus eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt, um den äußersten Süden der Insel, und somit auch die wunderschönen Strände der Südküste, zu erkunden. Auf dem Weg ins Naturreservat Oasi di Vendicari wurde noch ein kleiner Zwischenstopp in NOTO eingelegt, einer spätbarocken Stadt, welche ebenfalls von UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Nicht zu Unrecht, wie wir feststellen mussten. Aufgrund des bevorzugten Baumaterials "Kalktuff" bei diversen Kirchen und Palästen dieser Stadt leuchtet diese bei Sonneneinstrahlung magisch. Leider blieb uns dieser Effekt vorenthalten, weil die Wolken sich keinen Milimeter von der Sonne wegbewegt haben.

Spiaggia San Lorenzo im Naturreservat Vendicari
Spiaggia San Lorenzo im Naturreservat Vendicari
Malerisches Marzamemi
Malerisches Marzamemi

Noch weiter südlich Insel befindet sich das verträumt-malerische MARZAMEMI. So süß das Dörfchen aussieht, so penetrant hängt ein fischvearbeitende Geruch dort in der Luft. Es ist ein Fischerdörfchen, welches sich auf die Verarbeitung von Thunfisch (Konserven & Bottarga = Thunfisch-Rogen) spezialisiert hat. Generell hat Sizilien eine lange Thunfisch-Heritage. In März ziehen die Thunfisch-Schwärme zum Laichen durch die Straße von Gibraltar, wo sie in der Vergangenheit durch "Mattanza" (dt. Abschlachten), so nennt sich die traditionelle sizilianische Thunfischjagd, gefangen wurden. Durch Überfischung wird dieses Prozedere allerdings nur noch selten angewandt.

Savoca - der "Paten"-Drehort
Savoca - der "Paten"-Drehort

Zum Grande Finale unserer Rundreise haben wir uns dann gen Nord-Osten begeben, in ein kleines Bergdörferl namens SAVOCA, ein Ort, der mehr Kirchen zu haben scheint (16) als Einwohner. Sonntags wird die gesamte Hl. Messe via Lautsprecher in den Ort übertragen, nach dem Motto "wenn du nicht zum Gottesdienst kommst, dann kommt der Gottesdienst eben zu dir". Im Idealfall ist man also Anhänger der römisch-katholischen Kirche und freut sich über die 1,5 stündige Pool-Beschallung der etwas anderen Art. Von Savoca hat man einen schönen Blick auf die "Zehenpartie" des italienischen Festlandes. Bekanntheit erlangte Savoca als Drehort für mehrere Szenen der Filmtrilogie "Der Pate, die nicht wie im Film dargestellt in "Corleone" gedreht wurde. Die Original-Drehorte in Savoca sind bis heute unverändert erhalten - siehe unten, Bar Vitelli.

Die Kirche San Giuseppe
Die Kirche San Giuseppe

Schlussendlich, um das Juwel der Ostseite Siziliens nicht zu vergessen: der mondäne Badeort TAORMINA, beliebt unter den Sommer-frischlern Greta Garbo, Marlene Dietrich, Cary Grand & Liz Taylor. Wer von Positano (Amalfi-Küste) begeistert ist, dem wird dieser Ort ebenso gefallen. Es ist DAS sizilianische Touristenzentrum mit den Highlights "antikem Amphitheater", Blick auf "Mt. Etna" sowie der kleinen Insel "Isola Bella" vor der Küste Taorminas. Ähnlich wie in Positano trifft man auch hier auf viele Heiratswütige (siehe unten). Ich persönlich habe es dort - anders als Goethe, der ganze Sommer hier im 18.Jhdt. verbrachte -  weniger lange ausgehalten, da mir dieser Fleck viel zu touristisch & übertrieben klischeehaft erschien. Außerdem war Richard Gere auch schon wieder vom Filmfestival abgereist (nicht, dass mir dieser Greis gefällt, aber da hätte ich mich zumindest für ein bisserl Action den lokalen Paparazzi an die Fersen geheftet). Stattdessen hab ich mir lieber an der Ortseinfahrt bei einer Pasticceria nach Nonna's Art ein wunderbares Cannolo genehmigt. Zur Nervenberuhigung. Wie immer in diesem Urlaub. 

Fazit der Reise:

Highlights:

  • Kulturelle Vielfalt der Insel
  • Strände San Lorenzo, Mondello & San Vito Lo Capo
  • Sizilianische Süßspeisen
  • Lebensfreude pur

Lowlights:

  • Verhältnismäßig teuer
  • Sehr chaotisch
  • Auf eigene Faust nur mit Vollkasko-Versicherung OHNE Selbstbeteiligung erkundbar
  • Man braucht ein gutes Nervenkostüm, da im Grunde ALLES relativ umständlich und mühsam ist
  • Quallen im Meer

Zusammengefasst: Schön(e) durchwachsene 9 Tage

Für eine Rundreise, wie wir sie gemacht haben, sollte man mind. 2 Wochen vorsehen, wenn man anschließend nicht noch erschöpfter als vor Urlaubsantritt sein möchte. Abseits von den typisch sizilianischen Süßspeisen (CANOLLO 4ever!) & dem frischen Fisch-Angebot sollte man kulinarisch nicht zu viel erwarten. Auch hier gilt der Schluss "je weiter südlich, desto italienischer, ergo besser" nicht. Für einen reinen (& erholsamen) Badeurlaub ist eher Sardinien zu empfehlen, welches deutlich einfacher zu bereisen ist & quallen-ärmere & somit bessere Wasserqualität zu bieten hat. Kulturell gesehen toppt Sizilien allerdings nichts so schnell. Die Einflüsse verschiedenster Herrscher sind bis heute zu spüren & in den vielfältigen Bauwerken wunderbar erkennbar. Für rund 2 Wochen inkl. Mietauto, Unterkunft und Essen muss man ca. mit 1.500 EUR pP rechnen.


Teil 1: Das wilde Palermo und der arabische Westen

Darf ich vorstellen: Sicilia, des Mittelmeers größte Insel, mit rund 5 Mio. Einwohner. 

Und gerade dann, wenn man glaubt, man weiß eh schon alles über Italien, und glaubt, je weiter südlich man kommt, umso überzeichneter wird's - da sag ich nur: anschnallen bitte, denn "along comes Sicily".

Die Angurt-Empfehlung ist auch gleich ein exzellenter Einstieg in die Erörterung des dort vorherrschenden Verkehrswahnsinns 🙈. Auch wenn's nur einspurig vorgesehen ist, so bekommt man auf dem Einzelfahrstreifen sehr gerne Nachbarn - rechts davor, links hinten, kreuz und quer, Verkehrsampeln haben maximal Empfehlungs-Charakter. Hält man als Anhänger gepflegter mitteleuropäischer Fahrkultur bei Rot an, erntet man Gehupe und böse Gesten. Trotz ausgeprägter Er-"Fahrung" auf italienischem Terrain stellte dieser Trip wahrlich eine Zerreißprobe für meine Nerven dar. Tipp daher: das Mietauto (9 T ca. EUR 240,-) unbedingt mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung buchen. :)

Aber fangen wir im wilden Westen, gleichzeitig dem "Kopf" der Insel an - PALERMO.

Es pulsiert, es ist dreckig (so dreckig wie noch nirgends anders in Italien), es ist laut (so laut wie noch nirgends anders in Italien) und - es ist extrem unitalienisch. Auch wenn "dreckig" und "laut" mit Sicherheit die zwei typischsten Italo-Attribute sind - man merkt in Palermo bereits die Nähe zu Nordafrika und einen massiv arabischen Einschlag in Anbetracht der Bauweise, der Kulinarik und der Einstellung der Einheimischen.

Couscous e Pesce. 😋
Couscous e Pesce. 😋

 

 

Als Beweis für diesen afrikanisch-arabischen Einschlag liefere ich euch: Couscous mit Pesce. Ein Weltklasse-Gericht, findet man auf jeder gut sortierten Speisekarte West-Siziliens.


Hop-On Hop-Off Ape
Hop-On Hop-Off Ape

 

Als bekennender Hop-On Hop-Off Fan führte auch in Palermo nichts an einer motorisierten Sightseeing Tour vorbei.

Allerdings entschied ich mich diesmal für die eher unkonventionelle Art: ein Hop-On Hop-Off Ape, mit dem ich ganz individuell die Route & das Besichtigungstempo ohne Wartezeit, dafür mit viel Verkehrs-Nervenkitzel, bestimmen konnte. Kostet für 1,5 effiziente Stunden EUR 40,- und man sollte sich und seinen Nerven davor die eine oder andere Pipette "Passelyt"-Tropfen, alternativ Stamperl Averna, gönnen 😝. 


Sightseeing Highlights in Palermo:


Ausgehend von Palermo kann man auch einen lässigen Strandausflug ins 11 km entfernte, mondäne MONDELLO machen. Der Haus-Beach der Palermitaner (so heißen die) mit vorgelagertem ehem. Kurhaus mitten im Meer bietet eine fantastische Bucht mit 1,5 km goldigsten Sand. Ist definitiv einen Abstecher wert, auch wenn die Bucht an Sonntagen bzw. in der Hauptsaison ein ziemliches Ramba-Zamba bereithält.


San Vito Lo Capo - ein Traum von Strand.
San Vito Lo Capo - ein Traum von Strand.

 

 

Am Weg weiter in den Westen empfiehlt sich ein Zwischenstopp in SAN VITO LO CAPO, am nordwestlichsten Zipfl Siziliens gelegen, mit paradiesischen Strandzuständen & nicht um sonst von Tripadvisor 2011 zum schönsten Strand Italiens gewählt. Trotz all der Bellezza bleibt man allerdings vom Touristen-Wahnsinn nicht verschont.


Die Rundreise führte danach weiter nach TRAPANI und MARSALA.

Beides sind Städte, die man für die kulinarische Errungenschaften "Salz" (Trapani) und "Wein" (Marsala) kennt. TRAPANI wird auch "Città tra due mari", also Stadt zwischen zwei Meeren (tyrhennischem & Mittel-Meer) genannt & ist bekannt für ihre Salinen zur Speisesalz-Gewinnung, während MARSALA als Hafenstadt dafür steht, mit nur 140 km Distanz der nächste europäische Ort zu Tunesien zu sein. Dementsprechend stark fühlt man auch den arabischen Einfluss bei Essen & Landschaftsgestaltung.


Weiter im Landesinneren trifft man auf das verschlafene ERICE samt Dornröschen-Castello, wiederum ein fantastisches Weinbaugebiet. So unschuldig, wie dieses Städtchen auf den ersten Blick daher kommt, ist es gar nicht. Es gilt wohl als eine der Mafia-Hochburgen, wovon man als Tourist allerdings keine Notiz nimmt.


Presto ad arrivare: Teil 2 mit Siziliens Süden und Osten!